Für pflegende Angehörige - Unterstützung der Sorgearbeit der Angehörigen:

Im Landkreis Biberach stieg die Zahl der Pflegebedürftigen von 1999 bis 2013 um 52 Prozent auf 5.200 Personen an. 
Zum Stichtag 15.12.2013 erhielten von den 4.175 Pflegebedürftigen über 65 Jahre Leistungen aus der Pflegeversicherung. Aktuell werden fast 2.100 Personen ausschließlich zu Hause versorgt. Weit mehr als die Hälfte der zu Pflegenden erhalten die Unterstützung ihrer Angehörigen, teilweise auch durch Freunde und Nachbarn.  
 
Der DAK-Pflegereport von 2015 zeigt, dass private Pflege überwiegend von Frauen im Alter zwischen 45 und 70 Jahre geleistet wird, die zu zwei Dritteln nicht berufstätig sind. Zum größten Teil werden die Eltern gepflegt und der Umfang der Pflege lag überwiegend zwischen ein und drei Stunden, bei 14 Prozent der Pflegenden bei mehr als sechs Stunden am Tag. Der Pflegereport von 2018 zeigt darüber hinaus, dass über 50% der Bürger/innen pflegeerfahren sind, Pflege im wesentlichen als privates Schicksal verstanden wird, Heime als Notlösung gesehen werden, ambulante Dienste wertgeschätzt, jedoch wenig in Anspruch genommen werden und die Kommunalpolitik sich kaum um das Thema Pflege kümmere, hier . Auch der Pflege-Report der Barmer zeigt die Situation auf: hier.
   
Im Laufe der Zeit überschreiten viele Angehörige die Grenzen der Belastbarkeit. Hier können Gleichbetroffene eine Quelle für "geteiltes Leid" aber auch eine Ressource für neue Erfahrungen und Lösungen sein, die anderen zur Verfügung gestellt werden können. Die monatlich stattfindenden Gesprächskreise werden in Biberach, Schemmerhofen, Erolzheim, Ochsenhausen und Bad Buchau angeboten. Weitere Gesprächskreise werden von den Sozialstationen in Riedlingen und Laupheim getragen, so dass flächendeckend die Möglichkeit eines Austausches besteht. Etwa 150 Angehörige werden regelmäßig erreicht.  

Statistik zur Pflege in Deutschland: hier (Statist. Bundesamt); vgl. auch Kreispflegeplan Landkreis Biberach: hier 

Mehr und mehr wird derzeit erkannt, dass die Konstruktion der sozialen Pflegeversicherung, auch mit ihren letzten Pflegestärkungsgesetzen, den Herausforderungen nicht gerecht werden kann, deswegen werden Alternativen vorgeschlagen, vgl.: www.pro-pflegereform.de  (seit Ende 2016) - einige Stichworte:

  • Trennung ambulant - stationär aufheben, zukünftig: Wohnen - Pflege, bedeutet Einführung gleicher Vergütungsformen bei häuslicher Pflege oder Pflege im Heim
  • Von der Pflegeversicherung als "Teilkasko" hin zu einer Vollversicherung mit fixem Eigenanteil (nach Berechnungen v. Prof. Rothgang, Bremen: im Durchschnitt 248.- Euro/Monat für amb./stat.) Gutachten vgl. www.pro-pflegereform.de
  • Nach diesen Berechnungen müsste der Pflegeversicherungsbeitragssatz des Einzelnen dazu um 0,7 Punkte erhöht werden
  • Angehörigenpflege muss besser honoriert werden, informelle Hilfenetze müssen gestärkt  und ein verbindlich finanziertes Quartiersmanagement eingeführt werden, dabei spielt die Förderung eines koordinierten freiwilligen Engagements eine wichtige Rolle
  • Durch Einführung einer Pflegevollversicherung werden die Kommunen entlastet und sie hätten für Sozialraum- und Pflegeförderung finanzielle Spielräume, ihre Altenhilfeplanung sollte verbindlich und regional ausgerichtet sein
  • Die genannten Vorschläge hätten auch positive Wirkungen im Hinblick auf die Personalsituation in der Pflege

Die Vertreterin der pflegenden Angehörigen im Kreispflegeausschuss Landkreis Biberach ist Margret Maas, Biberach.

Ratgeber/Broschüren/Links: hier